April 6, 2010
Wird Gilad Atzmon Revisionist?
Er ist 1963 in Israel geboren und lebt jetzt in London. Erst am 27. Oktober 2009 sagte er auf seiner Webseite: Ich bin ein richtiger zionistischer Jude: Ich bin Überlebender des Holocaust. Ich bin auch völlig gegen Holocaustleugnung, ein Gegner davon.
Aber am 13. März 2010 fing er an, Überlegungen revisionistischer Art zu entwickeln. In dem folgenden langen Zitat sind die markantesten Teile dieser Meinungsänderung hervorgehoben:
Als ich jung und naiv war, betrachtete ich Geschichte als eine ernsthafte akademische Angelegenheit, So wie ich sie verstand, hatte Geschichte etwas mit Wahrheitssuche zu tun,
mit Dokumenten, Chronologie und Fakten. Ich war überzeugt, daß Geschichte darauf
zielte, einen vernünftigen Bericht über die Vergangenheit auf der Grundlage methodischer Forschung zustande zu bringen. Ich glaubte ebenfalls, daß sie auf der Annahme beruhe, daß das Verständnis der Vergangenheit etwas Licht auf unsere Gegenwart werfen könne und uns sogar helfe, die Aussicht auf eine bessere Zukunft heranzubilden. Ich bin im jüdischen Staat aufgewachsen, und brauchte eine ganze Weile, um zu begreifen, daß die jüdische Geschichtsauffassung eine sehr andere ist. Im jüdischen intellektuellen Ghetto entscheidet man, wie die Zukunft sein soll und baut sich dann eine entsprechende „Vergangenheit“ zusammen. Interessanterweise ist genau diese Methode auch bei Marxisten vorherrschend. Sie formen die Vergangenheit so, daß sie hübsch in ihre Sicht der Zukunft hinein paßt. Wie der alte russische Witz sagt – „wenn die Tatsachen nicht mit der marxistischen Ideologie zusammenstimmen, verbessert der kommunistische Sozialwissenschaftler diese Tatsachen.“
Als ich jung war, habe ich nicht gemeint, daß Geschichte eine Angelegenheit politischer Entscheidungen oder Übereinkünfte zwischen einer strengen zionistischen Lobby und deren Lieblingsüberlebendem des Holocausts sei. Ich betrachtete Historiker als Gelehrte, die strikten Verfahren folgten. Als ich jung war, hatte ich sogar vor, Historiker zu werden.
Als ich jung und naiv war, war ich auch irgendwie überzeugt davon, daß, was uns unsere „kollektive“ jüdische Vergangenheit erzählte, in Wirklichkeit geschehen sei. Ich glaubte es alles, das Königreich von David, Massada und dann den Holocaust: Die Seife, den Lampenschirm, den Todesmarsch und die Sechs Millionen.
Ich brauchte viele Jahre, um zu begreifen, daß der Holocaust, die Kernvorstellung des modernen jüdischen Glaubens, durchaus nicht die historische Erzählung ist, denn historische Erzählungen haben nicht den Schutz des Gesetzes und der Politiker nötig. Ich brauchte Jahre dazu, um zu kapieren, daß meine Urgroßmutter nicht zu ´Seife´ und einem ´Lampenschirm´ verarbeitet worden war. Sie ist wahrscheinlich an Erschöpfung, Typhus und vielleicht sogar durch eine Massenerschießung umgekommen. Das war in der Tat schlimm und tragisch genug, jedoch nicht so verschieden vom Schicksal vieler Millionen Ukrainer, die erfuhren, was Kommunismus in der Wirklichkeit bedeutet. „Manche der schlimmsten Massenmörder in der Geschichte waren Juden“, schreibt Sever Plocker auf dem israelischen Ynet bei Wiedergabe des Holodomor und die jüdische Beteiligung an dieser kolossalen Untat, wahrscheinlich dem größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Das Schicksal meiner Urgroßmutter unterschied sich nicht von demjenigen hunderttausender deutscher Zivilisten, die in einem geplanten wahllosen Bombenhagel starben, weil sie Deutsche waren. In ähnlicher Weise starben Menschen in Hiroschima nur deswegen, weil sie Japaner waren. Eine Million Vietnamesen starben einfach nur, weil sie Vietnamesen waren, und 1,3 Millionen Iraker starben, weil sie Iraker waren. Kurz, die tragischen Umstände meiner Urgroßmutter waren letztenendes gar nicht so besonders.
Es hat keinen Sinn
Ich brauchte Jahre, um zu akzeptieren, daß die Holocausterzählung in ihrer jetzigen Form keinerlei historischen Sinn hat. Hier eine kleine Anekdote, um das deutlich zu machen:
Wenn zum Beispiel die Nazis die Juden aus ihrem Reich heraus (judenrein – frei von Juden) oder sogar tot haben wollten, wie es die zionistische Erzählung wahrhaben will, wie kommt es dann, daß sie Tausende von ihnen am Ende des Krieges zurück ins Reich marschieren ließen? Diese einfache Frage hat mich seit geraumer Zeit nicht losgelassen. Ich begann schließlich eine historische Erforschung dieses Themas und erfuhr dann von dem israelischen Holocausthistoriker Professor Israel Gutman, daß jüdische Gefangene sich dem Marsch tatsächlich freiwillig anschlossen. Hier ist eine Gutmans Buch entnommene Aussage:
„Einer von meinen Freunden und Verwandten kam in der Nacht der Evakuierung im Lager zu mir und bot ein gemeinsames Versteck irgendwo auf dem Weg vom Lager zum Werk an. Die Absicht war, das Lager mit einer der Kolonnen zu verlassen und in der Nähe des Tors im Schutz der Dunkelheit zu flüchten; wir dachten daran, etwas weiter vom Lager wegzukommen. Die Versuchung war sehr stark. Und doch, ich habe alles überlegt und entschloß mich dann, mit allen anderen Häftlingen auf den Marsch zu gehen und ihr Los zu teilen. [Israel Gutman (Herausgeber) Menschen und Asche: Buch Auschwitz-Birkenau. Merhavia 1957]
Ich stehe hier vor einem Rätsel: Wenn die Nazis in Auschwitz-Birkenau eine Todesfabrik betrieben – warum wollten am Ende des Krieges die jüdischen Gefangenen mit ihnen gehen? Warum warteten die Juden nicht auf ihre roten Befreier?
Ich meine, daß wir 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz das Recht haben müssen, damit anzufangen, die notwendigen Fragen zu stellen. Wir sollten nach einigem schlüssigen historischen Beweismaterial und nach Argumenten fragen, statt der religiösen Erzählung zu folgen, die von politischem Druck und dem Gesetz wachgehalten wird. Wir sollten den Holocaust seines auf den Juden zentrierten Ausnahmestatus entkleiden und ihn als historisches Kapitel behandeln, das zu einer bestimmten Zeit, einem bestimmten Ort gehört.
65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sollten wir unsere Geschichte zurückverlangen und nach dem Warum fragen. Warum wurden die Juden gehaßt? Warum sind die europäischen Völker gegen ihre nächsten Nachbarn von nebenan aufgestanden? Warum sind die Juden im Mittleren Osten verhaßt, wo sie sicherlich die Möglichkeit hatten, eine neue Seite in ihrer schwierigen Geschichte aufzuschlagen? Wenn sie wirklich geplant hätten, das zu tun, so wie es die frühen Zionisten behaupteten, warum gelang es ihnen nicht? Warum hat Amerika inmitten der wachsenden Gefährdung der europäischen Juden seine Einwanderungsgesetzgebung verschärft?
Wir sollten auch fragen, welchem Zweck die Gesetze gegen Holocaustleugnung dienen? Was soll die Holocaustreligion verbergen? Solange wir es unterlassen, Fragen zu stellen, werden wir den Zionisten und den Machenschaften ihrer Neocon-Agenten unterworfen sein. Wir werden weiterhin im Namen des jüdischen Leidens töten. Wir werden unsere Komplizenschaft mit westlichen imperialistischen Verbrechen gegen die Menschheit aufrechterhalten.
So verheerend es sein mag, zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde einem schrecklichen Kapitel ein Sonderstatus außerhalb der Geschichte gegeben. Seine „Tatsächlichkeit“ wurde durch drakonische Gesetze besiegelt und sein Beweis durch gesellschaftliche und politische Festlegungen. Der Holocaust wurde die neue westliche Religion. Leider ist sie die unheilvollste Religion, die der Mensch kennt. Sie ist eine Lizenz zu töten, flachzumachen, zu atomisieren, auszulöschen, zu vergewaltigen und ethnisch zu säubern. Sie hat Rache und Vergeltung zu westlichen Werten gemacht. Weit besorgniserregender ist jedoch die Tatsache, daß sie die Menschheit ihres Erbes beraubt, sie ist da, um uns zu veranlassen, nicht mehr mit Würde auf unsere Vergangenheit zu schauen. Die Holocaustreligion raubt der Menschheit den Humanismus. Im Interesse des Friedens und künftiger Generationen muß dem Holocaust unverzüglich sein Ausnahmestatus genommen werden. Er muß gründlicher historischer Untersuchung unterzogen werden. Wahrheit und Wahrheitssuche sind eine elementare menschliche Erfahrung. Sie muß Bestand haben.
http://www.gilad.co.uk/writings/truth-history-and-integrity -by-gilad-atzmon.html
Schließlich brachte am 25. März 2010 seine Webseite die folgende Erklärung:
„Führer der AIPAC wiederholen klarerweise die schweren Fehler ihrer Vorgänger , des American Jewish Congress. Sie lernen nicht aus ihrer Geschichte, denn es gibt keinen einzigen jüdischen geschichtlichen Text, aus dem man lernen kann. Anstelle von Geschichtstext haben die Juden den Holocaust, ein Ereignis, das in eine Religion hinein gereift ist..- Die Holocaustreligion ist offensichtlich judeozentrisch bis auf die Knochen. Sie definiert die jüdische Existenzberechtigung. Für die Juden bedeutet sie eine totale Erschöpfung der Diaspora, sie betrachtet den Goy als einen potentiellen „irrationalen“ Mörder. Die neue jüdische Religion predigt Rache. Sie setzt sogar einen neuen jüdischen Gott ein. Anstelle des alten Jehova ist der neue jüdische Gott „der Jude“ selber: das tapfere und schlaue Wesen, dasjenige, das den allergrößten und allerbösesten Völkermord überlebt hat, er, der aus der Asche kam und voranschritt zu einem neuen Beginn. – In einem gewissen Ausmaß zeigt die Holocaustreligion den jüdischen Abschied vom Monotheismus, denn jeder Jude ist ein potentieller kleiner Gott oder eine Göttin. Gilad Shalit ist der Gott „Unschuld“, Abe Foxman ist der Gott „Antisemitismus“, Madoff ist der Gott des Schwindelns, Greenspan ist der Gott der „guten Wirtschaft“, Lord Goldsmith der Gott des grünen Lichtes, Lord Levy ist der Gott des Spendensammelns, Wolfowitz ist der Gott des neuen amerikanischen Expansionismus, und AIPAC ist der amerikanische Olymp, wo amerikanische gewählte menschliche Wesen hinkommen, um Gnade und Vergebung dafür zu erbitten, daß sie Goyim sind und es wagen, gelegentlich die Wahrheit über Israel zu sagen.
Die Holocaustreligion ist die Endstufe jüdischer Dialektik; sie ist das Ende der jüdischen Geschichte, denn sie ist die tiefste und aufrichtigste Form der „Selbstliebe“. Statt einen abstrakten Gott zu erfinden, der die Juden als das auserwählte Volk bevorzugt, schneiden die Juden in der Holocaustreligion die Substanz göttlicher Mitte heraus. Der Jude wählt einfach sich selber. Daher kommt es, daß jüdische Identitätspolitik sich über den Begriff der Geschichte hinweghebt. Gott ist der Zeremonienmeister. Und der neue jüdische Gott kann nicht vom Menschen abhängigen Ereignissen unterworfen sein. Der neue jüdische Gott, das heißt „der Jude“, schreibt einfach Fabeln neu um, die dem Stamm zu jeder beliebigen Zeit dienlich sind. Dies mag erklären, warum die Holocaustreligion durch Gesetze geschützt wird, während jedes sonstige historische Kapitel, jede Erzählung von Historikern, Intellektuellen und gewöhnlichen Leuten offen diskutiert wird. Wie man vermuten kann, wird bei derart auf das Selbst gerichteter intensiver Weltsicht nicht viel Raum für die Menschlichkeit, Würde und Universalismus bleiben. Es ist durchaus nicht klar, ob Juden kollektiv von ihrer neuen Religion genesen können. Jedoch ist es wesentlich, daß jeder Humanist sich gegen die Holocaustreligion stellt, die nur Unheil, Tod und Blutvergießen verbreiten kann.